Album: Man mochte schon fast nicht mehr daran glauben, dass das Jahre zuvor angekündigte Studioalbum von Anthrax noch greifbare Konturen annehmen könnte. Hardcore-Optimisten waren sowieso immer überzeugt – das wird schon noch. Pessimisten rechneten – wenn überhaupt – mit einem Rohrkrepierer à la Chinese Democracy, das Axl Rose nach gefühlt zwei Jahrzehnten zusammengepappt hatte. Nein, eine Katastrophe ist Worship Music nicht geworden. Aber auch keine Offenbarung. Nichtsdestrotrotz ist es nun da – das neue Anthrax-Album. „Worship Music“ werden die Pessimisten als musikalischen Offenbarungseid abstempeln, die Optimisten-Liga feiert das Album wohl eher als kleines Lebenszeichen einer der Dinosaurier des US-Thrash Metal. Devise: Besser einen Knallfrosch in der Hand als eine Arschbombe im CD-Player. Ob das langt, um dafür die Kröten locker zu machen? Weiterlesen
Iron Maiden – From Fear to Eternity: The Best of 1990-2010
Album: Iron Maiden: Die ewige Angst vor der Dunkelheit: 15 Studioalben in 30 Jahren sind eine Menge Stoff. Jeder Fan der britischen Heavy-Metal-Giganten Iron Maiden hat diese Alben zusammen mit allen Live-Produktionen, Bootlegs und sonstigen Gimmicks längst sauber geordnet im Schrank, vom 1980er Debüt Iron Maiden bis zum 2010 präsentierten The final Frontier. Titel der jüngsten acht Alben bietet EMI auf der Doppel-CD From Fear to Eternity. Nicht unbedingt ein Angebot für Hardcore-Fans, die all diese Songs auswendig kennen, sondern eher für Leute, die Maiden sehr lange nicht mehr gehört haben.
From Fear to Eternity wird damit zum Sampler der progessiveren und suggestiveren Maiden-Songs. Was absolut kein Minuspunkt ist. Denn einserseits sind auch komplikations- und kompromisslose Renner wie The Wicker Man und Tailgunner (geniale Gitarren) dabei. Und andererseits schadet es nicht, Epen wie Paschendale, For the Greater Good of God und The Reincarnation of Benjamin Breeg wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Komplexe Werke, deren Wirkung und Wertigkeit sich nur dem erschließen, der sie sich erarbeitet. Weiterlesen
Schaumparty mit dem Fürst der Finsternis
Live: Die gute Nachricht gleich vorweg: Ozzy lebt! 4500 erwartungsfrohe Fans sahen und hörten einen Ozzy Osbourne, der sang, schrie, hüpfte und fluchte, als sei er nie weggewesen oder diverse Male dem Sensemann von der Schippe gesprungen. Auch wenn der unkaputtbare Brite nicht mehr ganz so gut zu Fuß ist, wie zu seinen Zeiten bei Black Sabbath. Ozzy präsentierte sich fit und durchaus agil. Sogar die Stimme des Madman ließ über weite Strecken des Konzerts nicht übermäßig großen Unmut aufkommen. Von der Bühne stürzte das Enfant Terrible nicht, selbst wenn das der eine oder andere Skeptiker befürchtet hatte. Comeback geglückt! Weiterlesen
Heaven Shall Burn – Invictus
Album:Mit Invictus ist die Iconoclast-Trilogie nun komplett. Heaven Shall Burn haben es mit ihrem neuestem Langeisen geschafft, ihre Trademarks weiter zu zementieren. Der HSB-Sound hat sich als unverkennbare Marke etabliert – und das obwohl die Brüder ein kräftiges Mischmasch aus Subgenres zusammenmengen: Metalcore, Thrash- und Death Metal sowie Hardcore wie nun auch Techcore. Was verdächtig nach Gemischtwarenladen müffelt, ist ein glasklares Gebräu mit ordentlich Wumm. Auch wenn auf dem neuen Album wieder kleinere Feinjustierungen und neue Stilelemente den Weg in die Produktion gefunden haben, so haben die Thüringer ihre Linie konsequent weiterverfolgt. Zunehmend mogeln sich Techcore-Elemente in die Kompositionen der ostdeutschen Krachmacher. Das ist wie immer eine Sache des Geschmacks, dürfte aber nicht jeden Fan in Jubelgeschrei ausbrechen lassen. Immerhin hält sich die elektronische Verbrämung des Sounds auf Invictus (noch) in Grenzen. Das neue Heaven Shall Burn-Album ist aber unbestritten ein großer Wurf. Weiterlesen
Keine Black Sabbath-Reunion in Sicht
Hart, aber wahr: Eine Reunion von Black Sabbath ist (vorerst) in weite Ferne gerückt. Den Hoffnungen vieler Fans, dass sich nach dem Tod Ronnie James Dios die Urbesetzung der Band (Ozzy Osbourne, Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward) wieder vereint, hat der Sabbath-Bassist ein jähes Ende gemacht. Butler erklärt auf seiner Internetseite, dass er den aufkommenden Gerüchten und Spekulationen über eine Reunion im Keim ersticken wolle. Es werde weder eine Wiedervereinigung der alten Black Sabbath-Besetzung, noch ein Album und auch keine gemeinsame Tour geben. “I would like to make it clear, because of mounting speculation and rumours, that there will be definitely NO reunion of all four original members of Black Sabbath, whether to record an album or to tour,” schreibt Butler. Kein Album, keine Tour – definitives und endgültiges Nein? Sag’ niemals nie – Butler! Immerhin gibt es sogar bei Guns’N'Rose wieder Bewegung – da braucht es nur eine klitzekleine Versöhnung zwischen Slash und Axl Rose. David Zapp
Blues und Rock tragen Trauer: Gary Moores Tod bleibt ein Rätsel
Hart, aber wahr: Noch immer ist die Ursache des Todes von Gary Moore unklar. Der Nordire war einer der besten Rock- und Bluesgitarristen der Musikgeschichte. Seine Leiche wurde am Sonntag in einem Hotel an der Costa del Sol gefunden. Moore wurde 58 Jahre alt.
„Still got the Blues“, ein langsames und mit viel Gefühl gespieltes Stück, war Gary Moores größter Erfolg in Europa. Als er 1990 die gleichnamige LP und CD herausbrachte, waren seine harten Zeiten allerdings schon vorbei und der ruckartige Wechsel von harten zu ruhigen Tönen komplett. Moore gehörte in den 70ern zu den ersten echten Größen des Hardrock und spielte bis 1979 bei Thin Lizzy, eine der wichtigsten Bands in der Frühphase der lauten Musik.
In den 80ern, der Sternstunde des unerträglichen Computerpop-Gedudel, schrie Gary Moore Wut und Schmerz seiner Heimat Nordirland auf harten und geradlinigen Alben wie „Run for Cover“ (1985), „Wild Frontier“ (1987) und „After the War“ (1989) heraus und zeigte dabei eine Virtuosität an der Gitarre, die kein Zweiter erreichte.
Danach wurde der Hard- zum Schmuse-Rocker und wandte sich dem Blues zu. Viele Fans der ersten Stunde verziehen ihm diesen Richtungswechsel nicht, obwohl Moores Virtuosität an der Gitarre darunter keineswegs gelitten hatte. Auch sein letztes Album „Bad for you Baby“ (2008), war reiner Blues.
Gary Moore war schon seit vielen Jahren kein strahlender Star im Rampenlicht mehr. Von seinen Verkaufszahlen in den 80ern und 90ern war er weit entfernt, und die Clubs, in denen er spielte, waren keine Arenen. Doch der Musikmarkt hatte ihn auch nicht völlig vergessen.
Die musikalisch ohnehin stark auf die 80er fixierten Hardrocker konnten mit dem Blues zwar nur wenig anfangen, freuten sich aber, dass einer ihrer Heroen nach so langer Zeit immer noch in der Lage war, Shows zu geben und Songs zu schreiben. Die Blues-Fraktion erfreute sich an den Fähigkeiten eines der besten Gitarristen seiner Zeit.
Gary Moores Tod bleibt weiterhin ein Rätsel. Nach Angaben der spanischen Behörden waren an der Leiche des 58-Jährigen keine Anzeichen von Fremdeinwirkung feststellbar. Die Kriminalpolizei werde keine Ermittlungen aufnehmen, solange die Autopsie keine verdächtigen Anhaltspunkte ergebe, berichtete die Zeitung „La Opinión“ am Montag unter Berufung auf Polizeikreise in der Provinzhauptstadt Málaga. Es sei kein Rock’n’Roll-Tod gewesen, heißt es in Musikerkreisen – kein Drogen- oder Alkoholkollaps. Ob Moore an einer schweren Krankheit gelitten hatte, ist nicht bekannt. Jörg Pistorius
Foto: Hans Krämer
Da Blueth – Doin’ The Johnson
Seitenhieb: Um dem Blues zu huldigen, bedarf es keiner Demut. Die junge Formation Da Blueth zieht ihren Hut mit schelmischer Frechheit und ohne den braven Gehorsam eines Messdieners vor dem großartigen Robert Johnson. Denn der hatte einst des Nachts an einer Kreuzung dem Leibhaftigen seine Seele verhökert, um schmutzigen Blues zu spielen wie kein zweiter. Guter Deal! Mit dem Album Doin’ The Johnson eifern die jungen Musiker von Da Blueth aus Speyer, Mainz und Stadtkyll der Blues-Ikone nach. Ohne Andacht, Erfurcht und Kniefall! Was als 08/15-Schleicher gemächlich anwippt, darf ausbrechen und herumtollen. Es hagelt Gitarrenriffs, da gurgelt ein Orgel-Taifun und schreddern Rhythmen, als müsse eine Schneise in das vergreiste Blues-Genre gewalzt werden. Dazu eine Portion Krach, eine Prise Groteske, eine Handvoll Verfremdung und – Punkrock. So viel, bis das Gebräu so richtig ansetzt zum Überkochen. Die Musik für alte Männer mit Bart wird durch den Fleischwolf gedreht, um hernach unbekümmert im Jungbrunnen zu planschen. Weiterlesen
Gotthard–Sänger Steve Lee tödlich verunglückt
Hart, aber wahr: Die Welt hat gestern einen ihrer größten Rock-Sänger verloren: Gotthard-Frontmann Steve Lee verunglückte während einem Motorrad-Trip in den USA auf der Interstate 15 zwischen Mesquite und Las Vegas unverschuldet und verstarb noch am Unfallort.
Erst am Wochenende war der Gotthard-Sänger zusammen mit einigen motorradbegeisterten Freunden in die USA geflogen, um dort einen lang gehegten Traum wahr werden zu lassen, für den aufgrund voller Tourneepläne viele Jahre lang nie die Zeit war – zwei Wochen lang sollte es auf der Harley Davidson durch die Staaten gehen. Am Sonntag starteten die 21 Schweizer auf insgesamt 12 Motorrädern ihre Reise. Rund 50 Kilometer vor Las Vegas musste die Gruppe am Dienstag, den 5. Oktober, aufgrund einsetzenden Regens am Straßenrand anhalten, um sich für die Weiterfahrt mit entsprechender Kleidung auszurüsten. Auf der rutschig gewordenen Straße geriet der Anhänger eines vorbeifahrenden LKWs ins Schleudern. Der Fahrer versuchte ein Ausweichmanöver, erwischte mit seinem Anhänger jedoch fünf der am Wegesrand parkenden Motorräder, wovon eines Steve Lee traf. Sämtliche Reanimierungsversuche wurden nach 20 Minuten abgebrochen. Gegen 16.13 Uhr Ortszeit stellten die Rettungskräfte bei Steve Lee den Tod fest. Unter den Mitreisenden befanden sich auch Gotthard-Bassist Marc Lynn, sowie Lees Lebensgefährtin Brigitte Voss-Balzarini. Alle anderen Mitreisenden blieben unverletzt. Steve Lee wurde 48 Jahre alt.
Mit Steve Lee geht nicht nur eine der weltbesten Rock-Stimmen von uns, sondern auch eine ganz außergewöhnliche Persönlichkeit. Trotz seines enormen Erfolges hatte sich der Tessiner einen sehr feinsinnigen Blick für Details bewahrt und beeindruckte seine Umwelt oft mit seiner sensiblen Beobachtungsgabe. Dank seiner feinfühligen Art setzte er sich sehr tief mit dem Leben auseinander, ohne dabei jedoch den Sinn für Humor oder Genuss zu verlieren. Steve Lee begegnete seiner Umwelt mit Respekt und hatte in seiner feinen Umgangsweise dennoch stets eine sehr unkomplizierte, persönliche Note. Er verstand es wie kaum ein anderer, zu genießen ohne dabei zu übertreiben – Alkohol oder Feiern waren für ihn Dinge, denen er mit sehr viel Besonnenheit begegnete. Mehrere Millionen Alben hat der Sänger im Laufe seiner Karriere mit Gotthard verkauft, diverse Alben wurden mit Platin, Doppel- oder Dreifachplatin ausgezeichnet. Und dennoch stand all dies in keinem Verhältnis zu der menschlichen Größe, die Steve Lee tagtäglich bewies.
Quelle: Another Dimension
Accept – Blood Of The Nations
Album: Ein neues Studioalbum von Accept – das allein ist schon eine gute Nachricht. Seit „Predator“ 1996 hatte man von den deutschen Metallern nichts dergleichen gehört. Jetzt kommen sie mit Blood of the Nations raus – und zwar gewaltig.
Als Accept gegründet wurde, war ich noch nicht einmal drei Jahre alt. Allein schon aufgrund ihrer extremen Langlebigkeit ist ein grundsätzlicher Respekt angebracht. Dieser verstärkt sich noch exponentiell, wenn man sich Accepts Rolle in den 80ern in Erinnerung ruft. Die Alben Breaker, Restless and Wild, Balls to the Wall und von mir aus auch noch Metal Heart kamen zwischen 1981 und 1985 raus und bedienten die Sehnsüchte derer, die keine Neue Deutsche Welle, sondern schnellen und harten Rock wollten. Damals war ich im besten Teenie-Alter und war vor allem von Udo Dirkschneiders Stimme fasziniert. Wie eine Kreissäge mit viel zu hoher Drehzahl kreischte er seine Songs, bis alle Gehirnwindungen vibrierten. Fast as a Shark mit dem total bescheuerten „Heidi, Heido, Heida“-Intro war der erste Song, den ich bewusst als Speed Metal verstand und annahm. Weiterlesen
Sick Of It All – Based On A True Story
Album: Seit nun 25 Jahren trotzen Sick Of It All den Trendböen des Musikgeschäfts. Um so höher ist es der Band um die beiden Koller-Brüder anzurechen, dass sie sich nicht auf die faule Haut legen oder ein zusammengewurstetes Best-of hinfleddern. Stattdessen legt der Vierer aus New York sein zehntes Studioalbum Based on a true story vor, mit dem der wiedererstarkenden Hardcore-Szene eine flirrende Hymnen-Sammlung vorlegt wird. Zwar klingt der von Tue Madsen abgemischte Sound etwas zu garagig, doch das schadet den 14 knüppelkurzen wie prügelleichten Nummern nicht. Im Gegenteil – in Zeiten, da selbst die verrotztesten Produktionen mit Politur auf Glätte gebracht werden, riecht ein räudiger Garagensound doch heimelig authentisch. Abwechselung sorgt beim Dauerfeuer des Quartetts auch das Hin-und-Her zwischen geerdetem New Yorker Hardcore wie auch prügelnden Punknummern. All das mischt und fraternisiert sich unverblümt und effektvoll. Und was SOIA immer schon meisterlich beherrschten – die Energie gebündelt auf den Punkt zu bringen. Denn die Moshpit-Querschläger machen stets einen Bogen vor der Drei-Minuten-Schwelle. Kasse dich furz – und das möglichst kurz. Allerdings ist die SOIA-Party auch nach einer halben Stunde schon rum.
Wer sich also ‘nen schönen Abend mit ‘ner blutigen Nase machen will: Kumpels einladen und ab die Post. Mit dem neuen Flaggschiff des NYHC lässt’s sich fein rumrüpeln. Testet mal die Hradcore-Nummern Dominated oder Bent Outta Shape an. Da steckt alles drin: mauerdichte Härte, fette Grooves und Mitgrölwumm für den Moshpit. Und wer beim Kracher Lowest Common Denominator ergriffen jauchzt, dem dürften auch die Nummern Dirty Money und Good Cop für ekstatische Zuckungen genügen. Ob SOIA nun die ungekrönten Könige des Hardcore-Punk sind – mit Based On A True Story zimmern die US-Oldies aber einen wuchtigen Hinkelstein in die Szene. Vollgas – und das nach 25 Jahren Hardcore. Nicht nur Hut ab! Fucking Applaus!
David Zapp
Century Media (33:31)
Tracklist:
1. Death Or Jail
2. The Divide
3. Dominated
4. A Month Of Sundays
5. Braveheart
6. Bent Outta Shape
7. Lowest Common Denominator
8. Good Cop
9. Lifeline
10. Watch The Burn
11. Waiting For The Day
12. Long As She’s Standing
13. Nobody Rules
14. Dirty Money